Zentrum Sonne

Die Sonne hat eine neue Betriebsleiterin

Das polygeriatrische Zentrum Sonne in Räterschen mitten im Dorf ist ein lebendiger Ort, an dem Gemeinschaft und individuelle Bedürfnisse in Einklang stehen. Hier steht Priska Winterberg, die neue Betriebsleiterin, für ein umfassendes Konzept, das den Menschen und damit Geborgenheit und individuelle Betreuung in den Mittelpunkt stellt.

Das Zentrum Sonne ist Teil der Pflege Eulachtal und bietet pflege und hilfsbedürftigen Menschen ein Zuhause, das auf ihre  individuellen Bedürfnisse abgestimmt ist. Hier finden Menschen, die aufgrund chronifizierter psychischer Erkrankungen in ihrer Autonomie eingeschränkt sind, professionelle Pflege und ärztliche Betreuung, ohne ihre Selbstbestimmung aufgeben
zu müssen.
Mit 14 Einzel- und Zweierzimmern sowie einladenden Gemeinschaftsbereichen und vielfältigen Aktivitäten im ehemaligen Restaurant und Sonnenkeller schafft das Team unter Priska Winterberg eine familiäre Atmosphäre. Hier kann der Alltag gemeinsam gestaltet werden – mit ausreichend Raum für Privatsphäre und individuelle Unterstützung.

Priska Winterberg, was schätzt du besonders an der Sonne?
Hier kann jeder so sein, wie er ist, ohne sich verstellen zu müssen. Jeder hat die Möglichkeit, sich zu entfalten. An meinen früheren Arbeitsorten hätte ich als Pflegefachfrau mit einem Abschluss der Höheren Fachschule (HF) beispielsweise niemals eine Bewohnerin zum Einkaufen in die Stadt begleiten dürfen – das hätte man für zu teuer gehalten. Auch ein einfaches  Gespräch mit den Bewohnerinnen und Bewohnern war aus zeitlichen Gründen oft nicht möglich. Aber genau diese Momente
machen das Miteinander und die menschliche Atmosphäre in der Sonne überhaupt erst aus. Für uns sowie unsere Bewohnerinnen und Bewohner ist das selbstverständlich.

Wie sind Sie zur Leitung der Sonne gekommen?
Ich war  stellvertretende Betriebsleiterin. Und im Herbst 2024 entschied sich meine Vorgängerin relativ kurzfristig dazu, eine neue Herausforderung anzunehmen, womit ich die Chance bekam, mich für die Stelle zu bewerben. Nach reiflicher Überlegung und mehreren intensiven Gesprächen mit der Geschäftsleitung der Pflege Eulachtal habe ich mich dazu entschieden, die  Betriebsleitung des Zentrums Sonne zu übernehmen, die ich seither mit viel Freude und grossem Engagement innehabe. Vieles war mir bereits bekannt, anderes musste ich dazu lernen. Unterdessen fühle ich mich jedoch zunehmend sicher in dieser
Position und bekomme auch positive Rückmeldungen.

Hast du diese Position denn gesucht?
Ja, ich wollte immer schon gerne vorankommen als Pflegefachfrau. Deshalb habe ich die Gelegenheit beim Schopf gepackt und die Leitung der Sonne gerne übernommen. Wer weiss, ob ich ein zweites Mal eine solche gute Chance bekommen hätte?

Ist es nicht herausfordernd, plötzlich die gesamte Verantwortung allein zu tragen?
Doch, das ist es, besonders weil ich mich in einer Sandwich-Position befinde und sowohl der Führung der Pflege Eulachtal als auch den Mitarbeitenden und Bewohnenden gerecht werden möchte. Dennoch erhalte ich viel Unterstützung von allen Seiten. Und wie’s auch hier auf meinem Mindboard steht: «Du brauchst nur den Mut für den ersten Schritt, nicht für die ganze Treppe.»

Als Pflegefachfrau warst du auch Berufsbildnerin für Fachpersonen Gesundheit. Bildest du immer noch aus?
Nein, das hat mittlerweile eine andere Berufsbildnerin übernommen. Sie betreut unsere Lernenden in einem 30-Prozentpensum. Es ist eine schöne und dankbare Aufgabe, die ich leider aufgrund meiner erhöhten Arbeitsbelastung nicht mehr selbst ausüben kann.

Was gefällt dir an deiner neuen Aufgabe?
Ich bekomme viel mehr Einblicke in die Geschäftsführung der Pflege Eulachtal, bin in die Prozesse eingebunden und  kann mitbestimmen.

Bleibt da noch Zeit für Kontakte zu den Bewohnerinnen und Bewohnern?
Ja, ich arbeite weiterhin in einem kleinen Pensum in der Pflege, auch an Wochenenden – das ist mir wichtig. Es ist entscheidend, den Puls der Menschen im Haus zu spüren. Als Führungskraft ist es unerlässlich, an der Basis präsent zu sein, um fundierte Entscheidungen treffen zu können. Ich möchte, dass meine Präsenz spürbar ist. Es schafft ein Miteinander auf Augenhöhe und gibt sowohl den Bewohnerinnen und Bewohnern als auch den Mitarbeitenden Sicherheit, wenn sie sehen, dass ich aktiv dabei bin.

Was ist dir am wichtigsten?
Dass es allen gut geht und die Menschen sich hier entfalten können. Und was ist das Herausforderndste? Ich muss damit leben, dass ich nicht immer allen gerecht werden kann.

Warum hast du dich für die Arbeit in der Geriatrie, also mit älteren Menschen, entschieden?
Während meiner Ausbildung zur Pflegefachfrau lag mein Schwerpunkt auf Psychiatrie, und während eines Praktikums tauchte ich in den geriatrischen Bereich ein. Hier in der Sonne vereinen sich beide Aspekte. Mir gefällt besonders, dass ich mir Zeit für die älteren Menschen nehmen kann, und ich finde es auch faszinierend, mit Menschen mit psychiatrischen Krankheitsbildern zu arbeiten.

Weshalb?
Menschen mit einer psychiatrischen Diagnose werden oft als «die Schizophrene » oder «der Depressive» abgestempelt. Dabei ist die Diagnose nur ein kleiner Teil ihrer Identität und erfasst nicht den Menschen als Ganzes. Es ist mir daher wichtig,  Vorurteile abzubauen und die Person hinter der Diagnose wahr- und anzunehmen. Nur weil jemand depressiv oder schizophren ist, hat das doch keinen Einfluss auf seinen Wert. Ich reduziere Menschen niemals auf ihre Diagnose. Wenn jemand an einer Depression leidet, ist er nicht die Depression.

Trotzdem gibt es immer noch grosse Vorurteile gegenüber Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen.
Ja, oft hört man dann, «Oh Gott, du arbeitest in der Psychiatrie mit diesen Spinnern!» Aber was ist überhaupt die Norm? Wer hat das definiert? Auch wenn ein Mensch gewisse Einschränkungen hat, ist er trotzdem ein Mensch und hat das Recht auf ein Leben mit hoher Lebensqualität. Und genau dafür sorgen wir mit unserem Team im Zentrum Sonne. Das erfüllt mich.

Unterdessen habt ihr auch einen Koch in der Sonne?
Ja, das ist ein grossartiger Gewinn für uns. Früher hatten wir immer selbst mit den Bewohnenden gekocht, und einige helfen immer noch tatkräftig beim Schälen, Rüsten und Schneiden. Mit der Anstellung eines Kochs wurde das Team entlastet, wodurch mehr Zeit für Unternehmungen mit den Bewohnenden bleibt, wie Ausflüge oder gemeinschaftliche Aktivitäten wie Turnen, Wellness, Kerzenziehen und Sauerteigbrotbacken. Und ganz besonders geniessen unsere Damen auch die Schönheitsbehandlungen, wie Fuss- und Handbäder, Maniküre und Gesichtsbehandlungen. Das finden sie mega lässig.
(MITG)

 


Den Sonnenkeller mieten

Übrigens: Den Saal mit Küche im Zentrum Sonne sowie der Sonnenkeller mit Cheminee können von Privaten und Vereinen gemietet werden. Die Räume eignen sich für Partys und Anlässe mit bis zu 40 Personen. Gerne erteilt Ihnen Hans Flückiger
nähere Auskünfte: flueckiger@eulachtal.ch, Telefon 052 368 71 00